Die wichtigsten Kinderwunschbehandlungen verständlich erklärt – Ablauf, Dauer und worauf Sie bei den Kosten achten sollten.
Natürliche Empfängnis
Bevor es in eine Behandlung geht: Rund die Hälfte der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch wird doch noch natürlich schwanger – mit gutem Timing und Lebensstil. Nach einem Jahr des Versuchs (ab 35 schon nach einem halben Jahr) ist eine Abklärung sinnvoll.
- Zyklus kennen und fruchtbare Tage bestimmen – der Eisprung liegt meist ca. 14 Tage vor der nächsten Periode
- Regelmäßiger Verkehr alle 2–3 Tage über den ganzen Zyklus deckt die fruchtbaren Tage ab
- Lebensstil: normales Gewicht, Rauchverzicht, wenig Alkohol, Folsäure ab Kinderwunsch
- Auch beim Mann: Hitze (Sauna, Laptop auf dem Schoß) und Rauchen verschlechtern die Spermienqualität
Dauer: bis zu 12 Monate natürlicher Versuch als Orientierung
Ab 35 Jahren oder bei bekanntem Grund (z. B. unregelmäßige Zyklen, fehlende Eileiter) nicht warten – früher zur Ärztin oder zum Arzt.
Voruntersuchungen & Diagnostik
Vor jeder Behandlung wird geklärt, woran es liegt: Hormonwerte, Eizellreserve (AMH), Ultraschall, Durchgängigkeit der Eileiter und ein Spermiogramm beim Partner.
- Blutuntersuchung: Hormone, Schilddrüse, Infektionsserologie
- Ultraschall der Gebärmutter und Eierstöcke, AMH-Wert als Maß für die Eizellreserve
- Spermiogramm: Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien
- Je nach Befund: Gebärmutterspiegelung, genetische oder immunologische Abklärung
Dauer: 1–2 Zyklen (4–8 Wochen)
Viele Kliniken verlangen aktuelle Befunde (oft nicht älter als 6–12 Monate). Befunde aus dem Heimatland werden meist anerkannt – das spart Kosten.
Insemination (IUI)
Aufbereitete Spermien werden zum Eisprung direkt in die Gebärmutter übertragen. Die einfachste und günstigste Methode – Voraussetzung sind durchgängige Eileiter und ausreichende Spermienqualität.
- Leichte hormonelle Stimulation oder natürlicher Zyklus
- Ultraschallkontrollen, Auslösen des Eisprungs
- Übertragung dauert wenige Minuten, keine Narkose
- Erfolgsrate pro Versuch niedriger als bei IVF, meist 3–6 Versuche
Dauer: ein Zyklus, ca. 2–3 Wochen
Auch mit Samenspende möglich (IUI-D).
IVF – In-vitro-Fertilisation
Nach hormoneller Stimulation werden Eizellen entnommen und im Labor mit Spermien zusammengebracht. Die befruchtete Eizelle wächst 3–5 Tage heran und wird als Embryo in die Gebärmutter übertragen.
- Stimulation mit Spritzen, 10–12 Tage zu Hause, dazwischen Ultraschallkontrollen
- Eizellentnahme (Punktion) in kurzer Narkose, ca. 20 Minuten
- Befruchtung im Labor, Embryonenkultur 3–5 Tage
- Embryotransfer ohne Narkose, Schwangerschaftstest nach ca. 12 Tagen
Dauer: ca. 4–6 Wochen pro Zyklus, meist 2 Aufenthalte in der Klinik
Der Listenpreis enthält oft weder Medikamente (1.000–2.500 €) noch Narkose, Voruntersuchungen oder das Einfrieren übriger Embryonen.
ICSI – Intrazytoplasmatische Spermieninjektion
Variante der IVF: Ein einzelnes Spermium wird direkt in die Eizelle injiziert. Standard bei eingeschränkter Spermienqualität oder wenn die Befruchtung bei IVF zuvor nicht geklappt hat.
- Ablauf für die Patientin identisch zur IVF
- Unterschied liegt nur im Labor bei der Befruchtung
- Oft kombiniert mit Verfahren zur Spermienauswahl (IMSI, PICSI)
Dauer: wie IVF, ca. 4–6 Wochen
Wird meist als Aufpreis zur IVF abgerechnet – prüfen Sie, ob der Preis in der Preisliste inklusive oder zusätzlich ist.
Eizellspende
Die Eizellen einer Spenderin werden mit dem Samen des Partners oder eines Spenders befruchtet; der Embryo wird der Empfängerin übertragen. Häufig bei verminderter Eizellreserve, nach Wechseljahren oder wiederholten erfolglosen IVF-Zyklen.
- Keine Stimulation der Empfängerin – nur Aufbau der Gebärmutterschleimhaut
- Spenderin wird nach Blutgruppe, Aussehen und Gesundheitsstatus zugeordnet
- Meist nur 1–2 kurze Aufenthalte nötig, Erstberatung häufig online
- Höhere Erfolgsraten, weil die Eizellen von jungen Spenderinnen stammen
Dauer: 6–10 Wochen von der Zusage bis zum Transfer
Die Rechtslage unterscheidet sich stark je nach Land – Anonymität, Altersgrenzen und Zugang für Alleinstehende oder Frauenpaare sind unterschiedlich geregelt.
Samenspende
Spendersamen aus einer Samenbank wird für IUI oder IVF/ICSI verwendet – bei männlicher Unfruchtbarkeit, bei Frauenpaaren und bei alleinstehenden Frauen.
- Auswahl aus dem Katalog der Samenbank (Merkmale, Blutgruppe, teils Kindheitsfotos)
- Offene oder anonyme Spende – je nach Land und Samenbank
- Kosten pro Strohhalm kommen häufig zum Behandlungspreis hinzu
Dauer: abhängig vom gewählten Verfahren
Kryotransfer (FET)
Übertragung eines zuvor eingefrorenen Embryos in einem späteren Zyklus. Schonender und deutlich günstiger als ein kompletter neuer IVF-Zyklus.
- Keine Stimulation, keine Eizellentnahme, keine Narkose
- Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut, Transfer im natürlichen oder hormonell gesteuerten Zyklus
- Nur ein kurzer Aufenthalt nötig
Dauer: ein Zyklus, ca. 3–4 Wochen
Fragen Sie nach der jährlichen Lagergebühr für eingefrorene Embryonen – sie fehlt in vielen Preislisten.
PGT-A / PGT-M – genetische Embryonentests
Vor dem Transfer werden einige Zellen des Embryos genetisch untersucht: PGT-A auf Chromosomenzahl, PGT-M auf eine bekannte Erbkrankheit.
- Biopsie am 5. Tag (Blastozyste), anschließend Einfrieren bis zum Ergebnis
- Ergebnis nach 2–4 Wochen, Transfer dann als Kryotransfer
- Kann Fehlgeburten und erfolglose Transfers reduzieren
Dauer: verlängert den Zyklus um ca. 4 Wochen
Abrechnung meist pro Embryo plus Grundgebühr – bei mehreren Embryonen summiert sich das schnell. In manchen Ländern gesetzlich eingeschränkt.
Einfrieren von Eizellen & Embryonen
Eizellen oder Embryonen werden per Vitrifikation eingefroren und können Jahre später verwendet werden – medizinisch (z. B. vor einer Krebstherapie) oder aus persönlichen Gründen (Social Freezing).
- Ablauf bis zur Eizellentnahme wie bei IVF
- Lagerung in flüssigem Stickstoff, jährliche Gebühr
- Späterer Einsatz über Auftauen und Kryotransfer
Dauer: ein Stimulationszyklus, ca. 3–4 Wochen
Kalkulieren Sie Lagerkosten über mehrere Jahre und die Kosten des späteren Transfers mit ein.
Versteckte Kosten der Voruntersuchungen
Voruntersuchungen stehen fast nie im beworbenen Preis – und werden oft zweimal bezahlt: einmal zu Hause, einmal in der Klinik. Rechnen Sie mit ca. 300 € für die Frau und ca. 150 € für den Mann, wenn die Klinik keine Preise nennt.
- Frau: Hormonprofil, AMH, Ultraschall, Infektionsserologie (HIV, Hepatitis, Syphilis) – oft 200–500 €
- Mann: Spermiogramm und Infektionsserologie – oft 80–250 €
- Viele Kliniken verlangen aktuelle Befunde (nicht älter als 6–12 Monate) und wiederholen Tests vor Ort
- Manche Kliniken verkaufen Diagnostikpakete – prüfen Sie, was davon Sie schon zu Hause günstiger machen können
- Fragen Sie schriftlich, welche Befunde aus dem Heimatland anerkannt werden
In der Gesamtkalkulation von BabyWish sind Voruntersuchungen für Frau und Mann als separate Posten immer enthalten – auch wenn die Klinik sie nicht ausweist.
Versteckte Kosten – worauf Sie achten sollten
Der beworbene Preis ist selten der Endpreis. Diese Posten fehlen am häufigsten auf den Websites der Kliniken.
- Medikamente für die Stimulation (1.000–2.500 €)
- Narkose bei der Eizellentnahme, Voruntersuchungen und Laborkontrollen
- Einfrieren übriger Embryonen und die jährliche Lagergebühr
- Zuschläge für ICSI, Assisted Hatching, EmbryoGlue, genetische Tests
- Reise, Unterkunft und Verpflegung für zwei Aufenthalte
In unserem Katalog zeigt der Transparenz-Wert, wie vollständig eine Preisliste ist; das Gesamtangebot rechnet die fehlenden Posten mit ein.
Allgemeine Informationen, keine medizinische Beratung und keine Diagnose. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.